In unregelmäßigen Abständen werde ich hier interessante Experimente aus der Verhaltenspsychologie vorstellen, denen ich im laufe der Jahre in verschiedenen Fachbüchern begegnet bin. Den Anfang macht ein Experiment über den Zusammenhang von unbewußten Bewegungen und Zustimmung und Ablehnungsverhalten, welches in den USA durchgeführt wurde.
Der Experimentenablauf:
Ein große Anzahl von Studenten wurde für ein Experiment angeworben, bei dem es, so wurde ihnen es gesagt, um eine Marktforschungsstudie einer Firma für High-Tech-Kopfhörer ging. Das eigentliche Ziel des Experimentes jedoch war es, folgende Frage zu beantworten:
Können unbewußte Bewegungen zu Zustimmung oder Ablehnung führen?
Die Teilnehmer wurden in drei Gruppen eingeteilt. Testgruppe 1, Testgruppe 2 und eine Kontrollgruppe. Das Grundsetting für alle Teilnehmer sah so aus, dass jedem Probanden ein Kopfhörer ausgehändigt wurde. Danach teilte man allen mit, dass man prüfen wolle wie gut die Kopfhörer arbeiten, wenn der Hörer oder die Hörerin in Bewegung seien. Alle Studenten hörten Musikstücke von Linda Rondstadt und den Eagles, danach folgte ein Radiokommentar, bei dem die Meinung vertreten wurde, die Studiengebühren an ihrer Bildungseinrichtung sollten von 587 Dollar auf 750 Dollar erhöht werden. Die Teilnehmer der Testgruppe 1 wurde nun gebeten, während des Kommentars, den Kopf kräftig nickend auf und ab bewegen. Die Anweisung für die Tesgruppe 2 lautete, den Kopf während des Kommentars energisch zu schütteln. Die Teilnehmer in der Kontrollgruppe wurde gebeten den Kopf nicht zu bewegen. Am Ende des Tests erhielten alle Studenten einen Fragebogen, indem sie zur Qualität der Songs und die Wirkung der Bewegungen auf die Klangqualität befragt wurden. Am Ende des Fragebogens bauten die Experimentveranstalter die Fragen ein, um die es Ihnen wirklich ging: “Was ist Ihrer Meinung nach eine angemessene Summe für die jährlichen Studiengebühren?”
Das Ergebnis ist wirklich verblüffend:
Die Teilnehmer der Kontrollgruppe, die den Kopf nicht bewegt hatten, ließen sich von dem Kommentar nicht beeinflussen. Sie antworteten auf Studiengebührenfrage, dass die 587 Dollar, die Sie derzeit bezahlten, für angemessen hielten. Testgruppe 1 – die nickende Gruppe – fanden den Kommentar sehr überzeugend und sie waren im Durchschnitt dafür, die Studiengebühren auf 646 Dollar zu erhöhen. Die Probanden der Testgruppe 2 – die kopfschüttelnde Gruppe – wandten sich entschieden gegen die angesprochene Erhöhung. Sie forderten im Schnitt eine Ermäßigiung der Gebühren auf 467 Dollar.
Quelle: Malcom Gladwell, Tipping Point – Wie kleine Dinge Großes bewirken können
Wie könnten die Erkenntnisse nun in der gestaltungen von Werbung genutzt werden? Eine Sache die mir hierzu einfällt, ist die bestehende Werbung eines kleinen runden Käse, bei der die Käserondelle auf und abhüpfen. Durch eine Beobachtung solch einer Bewegung, enstehen automatisch nickende Bewegungen. Dies könnte dann beispielsweise zu einer verstärkten Annahme der Aussagen im Spot führen. Im Web könnte man sicher auch mit animierten Bannern arbeiten, die aufgrund ihrer Animation zu leichten nickenden Bewegungen aufgrund der Augeführung führt.
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