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Praxiswissen zu Testing, Optimierung und Landingpage


Dienstag, 27. Oktober 2009

Teil II Bericht vom 16. EC Forum – Mobile Commerce, Shop-Optimierung und mehr

Nachdem ich hier bereits über Fachvorträge der Onlinehändler ReifenDirekt und s.Oliver, sowie über die Zukunftseinschätzungen Onlinehandel berichtet hatte folgt heute der zweite Teil meines Berichts vom 16. EC-Forum.

Onlinehändler koffer24.de – Zwischen Preisdruck und Professionalisierungszwang, Onlineshops in der Falle?
Joachim Stoll der seit 1998 – den aus einem traditionellen frankfurter Lederwaren- Einzelhändler entstanden Shop – koffer24.de betreibt, berichtete vor allem von Wettbewerbs- und Professionalisierungsdruck. Steigender Wettbewerb durch z.B. Herstellershops oder Markteintrittsvereinfachungen (vgl. Amazon Händler Programm bei dem es sogar möglich ist die Logistik an Amazon auszulagern)sorgen für einen steigenden Preisdruck. Daneben sieht Stoll auch einen Druck zur Professionalisierung; Waren Anfangs beispielsweise 1 AdWord Kampagne mit 20-30 Keywords zu managen, sind es heute 10 bis 20 Kampagnen mit tausenden von Keywords. Diese Steigerung zieht sich für alle Bereich wie Shopdesign, SEO, Bildproduktion usw. fort und bedingt letztendlich den Einsatz von Spezialisten für SEO, SEM, Usability usw. Daneben berichtet er von weiterem Druck anhand der gesetzlichen Bestimmungen; Datenschutz-, Umwelt- und Gewährleistungs-Anforderungen. Aus meiner Sicht ist der Markteintritt zwar leichter den je durch fertige Shop- und Logistiklösungen aber die neue Hürde liegt vor allem in der erfolgreichen Platzierung des eigenen Angebots. Joachim Stoll sieht für die Zukunft vor allem einen weiteren Wachstum des Social Media und entsprechenden Einfluss für den Onlinehandel (vgl. Bewertungen, Beurteilungen, Austausch Kunden untereinander), sowie weitergehende technische Entwicklungen in Touchscreens und mobile Commerce. Sehr beindruckend war der Film “Did You Know 4.0” den Stoll im Rahmen seines Vortrags in Bezug auf die Entwicklungen des Webs zeigte:

Vortrag Mobile Shopping – Wie der E-Commerce mobil wird
Immer wieder angekündigt und zahlenreich prognostiziert stehen die Chancen laut Achim Himmelreich nun wirklich sehr gut, dass Mobile-Commerce in der nächsten Zeit den Durchbruch schafft. Hauptgrund hierfür ist vor allem die Etablierung der Smartphones. Miit großem Bildschirm, schneller Datenverbindung, geeignetem Betriebssystem und Lokalisierungsmöglichkeiten erfüllen diese die notwendigen Vorraussetzung für das mobile Shopping. Weitere begünstigende Faktoren sind die für 2010 in Deutschland prognostierzeten 98 Millionen Handys und 24 Mrd. B2C-E-Commerce Umsatz. Die 4 Hauptanwendungsfelder sind laut Himmelreich:

  • Handy-Andwendung, wie iPhone Applets
  • Point-of-Sale-Integrationen z.B. Barcode oder QR-Code Scanning
  • Mobiles Onlineshopping, wie Mobile Ticketing
  • Location-Based-Services z.B. Restaurantfinder in der Umgebung

Achim Himmelreich zeigte 3 mögliche Entwicklungs-Szenarien für Mobile Shopping 2014 auf:

  1. Schleppende Entwicklung – Mobile Shopping bleibt in der Entwicklung stecken und erreicht mit 300 Mio. EUR Umsatz, 1% des dt. E-Commerce Umsatzes.
  2. Breite Akzeptanz – Das mobile Einkaufen erreicht eine solide Akzeptanz und schafft mit 920 Mio. EUR (3% des dt. E-Commerce) knapp die 1 Mrd. EUR-Umsatzschallmauer .
  3. Massentrend – Das mobile Shopping wird zum Zukunftsmarkt mit bis zu 2,1 Mrd. EUR Umsatz entsprechend 7% des dt. E-Commerce.

Letzendlich sind laut Himmelreich alle Anwendungsfelder heute entweder noch in der Einführung oder oder wie im Bsp. der  App-Stores in der Wachstumsphase. Reife und Sättigung stehen noch aus und sind vor allem stark abhängig von der weiteren Verbreitung der Smartphones und der Entwicklung geeigneter Bezahl-Systeme. Interessant fand ich seinen Ansatz des Outernets: Das Mobile Shopping ist eine Beispiel für die Verbreitung des Internets über die Grenzen des Computers hinweg.

Vortrag Shop-Optimierung – Mit dem optimierten Web-Shop zum Erfolg
Prof. Dr. Tilo Hildebrand beleuchtete das Thema Shop-Optimierung von einer übergreifenden Perspektive. Bei der Optimierung eines Onlinehandels gibt es seiner Ansicht nach mit der Findability und der Usability zwei zentrale Optimierungsbereiche. Wobei die Findability an erster Steller der Verbesserungs-Priorität steht, denn die Optimierung der Auffindbarkeit und Positionierung im Netz ist essentiell, damit überhaupt Nutzer aus dem Netz zugeführt werden. Im Sinne des Grundsatzes: “Das Team ist mehr als die Summe seiner Einzelteile” sieht Hildebrand bei den Findability Massnahmen die größte Wirkungsstärke beim Zusammenspiel von SEM und SEO. Bei der Usability steht seiner Ansicht nach die Geschwindikeit als zu optimierendes Merkmal an erster Stelle. Ist ein Shop nicht performant genug, nutzen all die weiteren Verbesserungen wie, wichtigste Infos in Augenhöhe oder Kaufanregung, nichts.

Besonders interessant fand ich seinen Ansatz bei den Zahlungsarten; Käufer und Verkäufen habe hier grundsätzlich ersteinmal gegenläufige Interessen: Der Käufer möchte beim Erstkauf möglichst im Nachgang also z.B. über Rechnung zahlen. Demgegenüber steht das Interesse des Verkäufers bei Erstkunden im Vorfeld z.B. über Vorkasse abzurechnen. Das Bindeglied zwischen den Interessen ist die vorhandenen Informationen über den jeweiligen Vertragspartner. Über den Stammkunden gibt es beispielsweise Informationen aus der Vergangenheit und dementsprechend wird diesem gerne der Kauf über Rechnung eingeräumt. Das Thema Stammkunden ist laut Hildebrand auch gleichzeitig einer der wichtigsten Punkte in der Optimierungsausrichtung; Ziel sollte es sein, Stammkundschaft aufzubauen, denn hier ist der maximale Ertrag möglich, was er über eine selbst entwickelte Berechnungsformel vorrechnete.

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Montag, 12. Oktober 2009

Erfahrungsberichte Onlinehändler, Vortrag Mobile Shopping und Fachreferat Shopoptimierung – Mein Fazit zum 16.EC-Forum – Teil I

Das 16.EC-Forum in Köln, was ich hier angekündigt hatte, war randvoll gepackt mit:

  • Erfahrungsberichten und Einschätzungen von den drei Onlinehändlern reifen-direkt.de, koffer24.de und s.Oliver.de
  • Diskussionsrunden zur Lage des E-Commerce
  • Fachreferaten zu Shop-Optimierung und Mobile-Commerce

Nachfolgend der erste Teil meiner persönliche Kurzzusammenfassung, der aus meiner Sicht interessantesten Beiträge:

andreas-pruefer-delticom Onlinehändler Reifen-Direkt – Wie der Onlinehandel Vertriebsstrukturen ändert
Dr. Andreas Prüfer gründete 1999 ReifenDirekt mit einem Kompagnion, nachdem beide zuvor vom Hersteller Conti gekündigt (O-Ton "rausgeschmissen") wurden. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wie z.B. dem Aufbau eines Servicepartner-Netzes für die Reifenmontage oder fehlender Werbemöglichkeiten im Netz (99 gab es noch keine AdWords!) ist Reifen Direkt heute unter den Top 5 Reifenhändler in Europa. Interessant fand ich den Ansatz, dass man den Absatzkanal Online auch in einer Mehrschienen-Systematik bearbeiten kann. So wird z.B. mit Giga-Reifen neben ReifenDirekt eine im Billigsegment positionierte Online-Handelssparte betrieben. Giga-Reifen ist 5% günstiger – dafür aber nur gegen Vorkasse. Diese Zweitschiene dient so z.B. der Positionierung in Preissuchmaschinen und Preisvergleichsdiensten.

axel-seeger-sOliver Onlinehändler s.OliverMarken online – das Beispiel von s.Oliver
Axel Seeger – verantwortlich für den seit ca. 5 Jahren am Markt befindlichen Onlineshop von s.Oliver – zeigte die aus seiner Sicht 4 wichtigsten Erfolgsfaktoren für einen Online-Lifestyle-Shop auf:
1) Sortiment
2) Leistungsversprechen
3) Sicherheitsstandards
4) Prozess-Exzellenz
Interessant dabei fand ich, dass die Prozess-Exzellenz bei einem Mode- und lifestyle Shop extrem entscheidend ist: wer es schafft von der Fotoproduktion der Ware, Einlagerung beim Logistikpartner bis zur Einstellung des Artikels im Onlineshop die höchste Geschwindigkeit bei hoher Qualität hinzubekommen, hat einen klaren Wettbewerbsvorteil.

Macro- und Micro-Conversionrate
Ein weiterer interessanter Ansatz des Vortrags waren die Unterteilung in Macro- und Micro-Conversionrate. Unter Macro-Conversionrate wird bei s.Oliver das Verhältnis von Besucher zu abgeschlossenen Bestellungen verstanden. Die Schritte dazwischen also z.B. das Verhältnis Besucher zu Besucher, die mehr als eine Seite aufgerufen haben wird als Micro Conversionrate erhoben und eingeordnet.

Kundenkarte als Bindeglied für On- und Offline
Bei s.Oliver wird vor allem die Kundenkarte als Bindeglied zwischen den Vertriebskanälen on- und offline eingesetzt. Dies kann aus meiner Sicht auch als Best-Practice-Ansatz verstanden werden, denn in den Diskussionsrunden wurde das Thema-Kundenkarte als Bindeglied immer wieder angerissen.

podiums-diskussion-16-ec-forum Podiums-Diskussions – Der Handel der Zukunft
Zwischen den Vorträgen, gab es drei Diskussionsrunden. Besonders spannend fand ich die erste Diskussionsrunde zum Handel der Zukunft u.a. mit Oliver Emrich von der Universität St.Gallen oder Martin Schleinhege von Otto. Hier die wichtigsten Beiträge dieser Runde:

  • Kommunikation wird der zentralen Wettbewerbsfaktor im Onlinehandel der Zukunft; Stichwort Social Commerce
  • Sehr viele Unternehmen steigen derzeit in den E-Commerce ein, vor allem Mode & Möbel sind derzeit Bereiche mit wachsendem Angebot
  • Vernetzung der User unteinander wächst Rapide und beeinflusst auch den E-Commerce z.B. wenn sich Kunden und potentielle Kunden vor einem Kauf austauschen
  • ebay – einst gefeierter Star und Wegweiser im Social-Commerce mit Blogs und Foren – befindet sich laut eBay-Spezialist Axel Gronen von wortfilter.de auf einem schlechten Weg. Konzentration auf die Händler und Erschwerung für private Anbieter durch z.B. Pflicht des kostenfreien Versands veringert die Attraktivität der Plattform.
  • Zunahme der Verknüfpung zwischen stationärem und Online-Handel.
  • Durch die Tendenz in Richtung erklärungsbedürftiger Produkte, wird der Austausch und die Diskussion über Produkte im Netz weiter verstärkt
  • Mobile Commerce wird steigen und spielt auch an der Schnittstelle zwischen on- und offline eine immer größere Rolle wie z.B. in dem immer mehr genutzten Fall, dass ein potentieller Kunde im Einzelhandel (offline) mit dem smartphone schnell mal die Preise im Netz vergleicht (online)
  • Erlebnisverkauf mit Konzepten wie z.B. Liveshopping (typische Anbieter woot, dealirio, schutzgeld)  wird im Netzt steigen

Im zweiten Teil werde ich – neben den Erfahrung des Betreibers von koffer24.de – von den spannenden Vorträgen zu Mobile-Commerce und Shop-Optimierung berichten.

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