Nachdem ich hier bereits über Fachvorträge der Onlinehändler ReifenDirekt und s.Oliver, sowie über die Zukunftseinschätzungen Onlinehandel berichtet hatte folgt heute der zweite Teil meines Berichts vom 16. EC-Forum.
Onlinehändler koffer24.de – Zwischen Preisdruck und Professionalisierungszwang, Onlineshops in der Falle?
Joachim Stoll der seit 1998 – den aus einem traditionellen frankfurter Lederwaren- Einzelhändler entstanden Shop – koffer24.de betreibt, berichtete vor allem von Wettbewerbs- und Professionalisierungsdruck. Steigender Wettbewerb durch z.B. Herstellershops oder Markteintrittsvereinfachungen (vgl. Amazon Händler Programm bei dem es sogar möglich ist die Logistik an Amazon auszulagern)sorgen für einen steigenden Preisdruck. Daneben sieht Stoll auch einen Druck zur Professionalisierung; Waren Anfangs beispielsweise 1 AdWord Kampagne mit 20-30 Keywords zu managen, sind es heute 10 bis 20 Kampagnen mit tausenden von Keywords. Diese Steigerung zieht sich für alle Bereich wie Shopdesign, SEO, Bildproduktion usw. fort und bedingt letztendlich den Einsatz von Spezialisten für SEO, SEM, Usability usw. Daneben berichtet er von weiterem Druck anhand der gesetzlichen Bestimmungen; Datenschutz-, Umwelt- und Gewährleistungs-Anforderungen. Aus meiner Sicht ist der Markteintritt zwar leichter den je durch fertige Shop- und Logistiklösungen aber die neue Hürde liegt vor allem in der erfolgreichen Platzierung des eigenen Angebots. Joachim Stoll sieht für die Zukunft vor allem einen weiteren Wachstum des Social Media und entsprechenden Einfluss für den Onlinehandel (vgl. Bewertungen, Beurteilungen, Austausch Kunden untereinander), sowie weitergehende technische Entwicklungen in Touchscreens und mobile Commerce. Sehr beindruckend war der Film “Did You Know 4.0” den Stoll im Rahmen seines Vortrags in Bezug auf die Entwicklungen des Webs zeigte:
Vortrag Mobile Shopping – Wie der E-Commerce mobil wird
Immer wieder angekündigt und zahlenreich prognostiziert stehen die Chancen laut Achim Himmelreich nun wirklich sehr gut, dass Mobile-Commerce in der nächsten Zeit den Durchbruch schafft. Hauptgrund hierfür ist vor allem die Etablierung der Smartphones. Miit großem Bildschirm, schneller Datenverbindung, geeignetem Betriebssystem und Lokalisierungsmöglichkeiten erfüllen diese die notwendigen Vorraussetzung für das mobile Shopping. Weitere begünstigende Faktoren sind die für 2010 in Deutschland prognostierzeten 98 Millionen Handys und 24 Mrd. B2C-E-Commerce Umsatz. Die 4 Hauptanwendungsfelder sind laut Himmelreich:
- Handy-Andwendung, wie iPhone Applets
- Point-of-Sale-Integrationen z.B. Barcode oder QR-Code Scanning
- Mobiles Onlineshopping, wie Mobile Ticketing
- Location-Based-Services z.B. Restaurantfinder in der Umgebung
Achim Himmelreich zeigte 3 mögliche Entwicklungs-Szenarien für Mobile Shopping 2014 auf:
- Schleppende Entwicklung – Mobile Shopping bleibt in der Entwicklung stecken und erreicht mit 300 Mio. EUR Umsatz, 1% des dt. E-Commerce Umsatzes.
- Breite Akzeptanz – Das mobile Einkaufen erreicht eine solide Akzeptanz und schafft mit 920 Mio. EUR (3% des dt. E-Commerce) knapp die 1 Mrd. EUR-Umsatzschallmauer .
- Massentrend – Das mobile Shopping wird zum Zukunftsmarkt mit bis zu 2,1 Mrd. EUR Umsatz entsprechend 7% des dt. E-Commerce.
Letzendlich sind laut Himmelreich alle Anwendungsfelder heute entweder noch in der Einführung oder oder wie im Bsp. der App-Stores in der Wachstumsphase. Reife und Sättigung stehen noch aus und sind vor allem stark abhängig von der weiteren Verbreitung der Smartphones und der Entwicklung geeigneter Bezahl-Systeme. Interessant fand ich seinen Ansatz des Outernets: Das Mobile Shopping ist eine Beispiel für die Verbreitung des Internets über die Grenzen des Computers hinweg.
Vortrag Shop-Optimierung – Mit dem optimierten Web-Shop zum Erfolg
Prof. Dr. Tilo Hildebrand beleuchtete das Thema Shop-Optimierung von einer übergreifenden Perspektive. Bei der Optimierung eines Onlinehandels gibt es seiner Ansicht nach mit der Findability und der Usability zwei zentrale Optimierungsbereiche. Wobei die Findability an erster Steller der Verbesserungs-Priorität steht, denn die Optimierung der Auffindbarkeit und Positionierung im Netz ist essentiell, damit überhaupt Nutzer aus dem Netz zugeführt werden. Im Sinne des Grundsatzes: “Das Team ist mehr als die Summe seiner Einzelteile” sieht Hildebrand bei den Findability Massnahmen die größte Wirkungsstärke beim Zusammenspiel von SEM und SEO. Bei der Usability steht seiner Ansicht nach die Geschwindikeit als zu optimierendes Merkmal an erster Stelle. Ist ein Shop nicht performant genug, nutzen all die weiteren Verbesserungen wie, wichtigste Infos in Augenhöhe oder Kaufanregung, nichts.
Besonders interessant fand ich seinen Ansatz bei den Zahlungsarten; Käufer und Verkäufen habe hier grundsätzlich ersteinmal gegenläufige Interessen: Der Käufer möchte beim Erstkauf möglichst im Nachgang also z.B. über Rechnung zahlen. Demgegenüber steht das Interesse des Verkäufers bei Erstkunden im Vorfeld z.B. über Vorkasse abzurechnen. Das Bindeglied zwischen den Interessen ist die vorhandenen Informationen über den jeweiligen Vertragspartner. Über den Stammkunden gibt es beispielsweise Informationen aus der Vergangenheit und dementsprechend wird diesem gerne der Kauf über Rechnung eingeräumt. Das Thema Stammkunden ist laut Hildebrand auch gleichzeitig einer der wichtigsten Punkte in der Optimierungsausrichtung; Ziel sollte es sein, Stammkundschaft aufzubauen, denn hier ist der maximale Ertrag möglich, was er über eine selbst entwickelte Berechnungsformel vorrechnete.
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